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6 – Förderungen und Therapien2018-06-29T22:37:30+00:00

Therapie und Förderung

Hörfrühförderung und Familienbegleitung

6 - Förderungen und Therapien

Wird bei einem Kind eine Hörschädigung diagnostiziert, so besteht die Möglichkeit, Hörfrühförderung (interdisziplinäre audiologische Frühförderung und Familienbegleitung) in Anspruch zu nehmen.

Die gezielte Beratung und Begleitung der Eltern sowie die Hör- und Sprachförderung des hörbeeinträchtigten Kindes bilden die Hauptaugenmerke der Hörfrühförder-Einheiten. Durch genaues Beobachten und gemeinsames Tun können die individuell angelegten Fähigkeiten des Kindes erkannt und das Förderangebot kann den kindlichen Entwicklungsschritten angepasst werden.

Regelmäßige Hörmessungen, logopädische, entwicklungsdiagnostische und ergotherapeutische Verlaufskontrollen sowie HNO-ärztliche Kontrollen und eine enge Zusammenarbeit mit den HörgeräteakustikerInnen sowie CI-TechnikerInnen bilden die Grundlage für die Hörfrühförderung.

Interdisziplinäre audiologische Frühförderung und Familienbegleitung findet einmal wöchentlich zu Hause oder bei Bedarf ambulant statt und ist für die Familien kostenlos. Die Verrechnung erfolgt über die zuständige Bezirkshauptmannschaft.

Sprachförderung und Therapie

6 - Förderungen und Therapien

Wie sie ihr Kind im Erwerb der Sprache unterstützen können

Jedes Kind ist von Geburt an mit der Fähigkeit zur Sprache ausgestattet. Dennoch benötigt es dafür intensive sprachliche Zuwendung, ein so genanntes „sprachförderndes Umfeld“:

  • Spaß am Sprechen vermitteln
  • Gesprächsbereitschaft signalisieren
  • Zeit für das Kind nehmen
  • Abwarten, was das Kind zeigen oder sagen möchte
  • Aufmerksam und interessiert zuhören
  • Nicht unterbrechen
  • Auf Höhe des Kindes begeben
  • Dem Sprachniveau des Kindes ein kleines Stück voraus sein, das bedeutet beispielsweise:
    • Die Äußerung des Kindes aufgreifen und erweitern: „Auto“ – „Ja genau, da kommt ein Auto!“
    • Lautliche Unsicherheiten korrekt wiederholen (nicht ausbessern!): „Metterling!“ – „Ja genau, das ist ein Schmetterling!“
    • Lautäußerungen aufgreifen und mit Inhalt füllen: „brum“ – „Stimmt. Da kommt ein Auto!“

Das regelmäßige gemeinsame Spiel sowie das Anschauen von Bilderbüchern bietet viele Möglichkeiten, das Kind in seinen kognitiven und sprachlichen Fertigkeiten zu fördern und sein Wissen über die Welt zu vergrößern. Wesentlich dabei ist, dass es zu Beginn nicht darum geht, die Bücher vorzulesen, sondern lediglich gemeinsam anzuschauen. Das Vorlesen von Büchern wird ca. um das dritte Lebensjahr interessant, da Kinder erst dann die notwendige Aufmerksamkeit und das entsprechende Sprachverstehen aufweisen.

Die Forschung zeigt, dass Eltern hörbeeinträchtigter Kinder in ihrer Kommunikation mit den Kindern gehemmter reagieren. Sie sind weniger Aufmerksam für die Kommunikationsangebote ihrer Kinder und machen weniger Sprachangebote. Umso wichtiger ist es, hier aufmerksam zu sein und aktiv dagegen zu steuern.

 

Logopädische Therapie

Sollten sie zu irgendeinem Zeitpunkt das Gefühl haben, dass die sprachliche Entwicklung ihres Kindes stagniert bzw. sich nicht so weiterentwickelt, wie hier beschrieben, scheuen sie sich nicht eine Logopädin bzw. einen Logopäden aufzusuchen und sich fachliche Hilfe zu holen. Eine nicht altersentsprechende Sprachentwicklung führt zu vielen Frustrationserlebnissen und ist für Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt sehr belastend, da sie ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht oder nur eingeschränkt ausdrücken können. Eine logopädische Therapie ist für Kinder eine rein spielerische Angelegenheit und nicht belastend. Therapiebausteine werden kindgerecht erarbeitet und ihnen auch für zuhause aufbereitet. Die Kosten werden zu einem Teil von der Krankenkasse übernommen.

MIKADO Tagesmütter

MIKADO-Tagesmütter und Tagesväter bieten familienähnliche Betreuung für Kinder mit und ohne Behinderung an. Sie haben langjährige Erfahrung und sind dafür speziell ausgebildet.

Betreut werden Kinder vom Babyalter bis 15 Jahre in einer kleinen Gruppe von vier Kindern.

MIKADO-Tagesmütter und MIKADO-Tagesväter tauschen sich ebenso mit anderen Berufsgruppen wie FrühförderInnen, LogopädInnen, ErgotherapeutInnen, MotopädagogInnen, KindergartenpädagogInnen und LehrerInnen aus.

Heilpädagogischer Kindergarten und Kinderkrippe

Hörbeeinträchtigte Kinder, die zeitnah erfasst und technisch versorgt wurden, haben die Möglichkeit, eine ganz normale Kinderkrippe bzw. einen Regelkindergarten zu besuchen.

Das Förderzentrum Graz bietet als Unterstützung vor Ort eine mobile Sonderkindergartenbegleitung. Eine speziell ausgebildete und sehr erfahrende Sonderkindergartenpädagogin berät die KollegInnen im Kindergarten vor Ort, fördert spielerisch das hörbeeinträchtigte Kind und leistet wesentliche Sensibilisierungsarbeit für die ganze Gruppe. Die Kosten für diese Leistung übernimmt das Land.

Ebenso können hörbeeinträchtigte Kinder einen Heilpädagogischen Kindergarten besuchen. Hier erhalten sie regelmäßige therapeutische Unterstützung hinsichtlich der sprachlichen, motorischen, und Denk-Entwicklung von dem interdisziplinären Therapeuten-Team des Kindergartens.

Das Konzept einer Heilpädagogischen Kinderkrippe existiert derzeit noch nicht.

Hörgeschädigtenpädagogik

Für hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche und Schüler/innen mit AVWS (Auditiver Verarbeitungs-und Wahrnehmungsschwäche) im steirischen Schulraum besteht die Möglichkeit, dass sie über das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik – Standort Rosenberggürtel 12, 8010 Graz – durch Beratungslehrer/innen im mobilen Dienst während der gesamten Schulzeit begleitet und betreut werden.

Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung im Umgang mit einem hörbeeinträchtigten Kind zählen zu den Hauptaufgaben der mobilen Lehrpersonen. Auch mit der Klasse, die das Kind besucht, wird zu Beginn intensiv gearbeitet, um eine adäquate „Basis“ für das schulische und soziale Lernen ermöglichen zu können.

Die Schüler/innen in der Steiermark werden je nach Hörbeeinträchtigung bzw. „Hörleistung“ und „Kommunikationsbedürfnis“ nach ihren individuellen Möglichkeiten von den ausgebildeten Hörgeschädigtenpädagog/innen, mit unterschiedlich hoher Gebärdensprachkompetenz, unterstützt und unterrichtet.

Das Angebot am Schulstandort „Rosenberg“ (VS Rosenberg und BG/BRG Kirchengasse) reicht vom rein lautsprachlich über den gebärdenunterstützenden Unterricht bis hin zum bilingualem Unterricht (Lautsprache und Gebärdensprache = Unterrichtssprachen). Der Übertritt vom Kindergarten in die Volksschule sowie in weiterführende Schulen wird in einem gut vorbereiteten Prozess begleitet.

Arbeitsassistenz und Jobcoaching für Menschen mit Hörbeeinträchtigung

Arbeitsassistenz für Hörbeeinträchtigte von Jugend am Werk unterstützt mithilfe von Gebärdensprache darin einen Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten.

Angebot:

  • suchen von Lehr- und Arbeitsplatz
  • unterstützen, wenn Lehr- oder Arbeitsplatz gefährdet ist
  • vermitteln zwischen Arbeitskolleginnen, -kollegen und Ihren Arbeitgeberinnen und -gebern
  • informieren von Betrieben über die Beschäftigung von Menschen mit Hörbeeinträchtigung und spezielle technische Möglichkeiten

 

Jobcoaching für Hörbeeinträchtigte von Jugend am Werk unterstützt mithilfe von Gebärdensprache im Beruf.

Angebot

  • begleiten bei der Strukturierung des Arbeitsalltags
  • unterstützen bei Umschulungen
  • Ansprechpartner für alle arbeitstechnischen und sozialen Fragen
  • sensibilisieren von Arbeitskolleginnen und -kollegen für eine gute Zusammenarbeit

Mobile Berufsausbildungsbegleitung

Die Mobile Berufsausbildungsbegleitung des Förderzentrums Graz richtet sich an Jugendliche, die von Hörschädigung betroffen sind und entweder eine Lehre im Rahmen der dualen Ausbildung oder eine Berufsbildende Schule nach Beendigung der Schulpflicht absolvieren.

Das Angebot umfasst:

  • Vermittlung von Übergangshilfen für Jugendliche, Eltern und Firmen
  • Berufsschulbegleitung (Vorbereitung, Begleitung an den Berufsschulen und Lernbetreuung)
  • Arbeitsplatzbetreuung im Rahmen der dualen Ausbildung
  • Vorbereitung und Begleitung im Zuge der Lehrabschlussprüfung