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4 – Weshalb die Zeit drängt2018-06-06T15:14:38+00:00

Weshalb die Zeit drängt

Ein Zeitfenster für das Gehirn

Die Entwicklung des Gehörs hängt eng mit der Entwicklung der Hörbahn  zusammen, das heißt mit den Strukturen des Gehirns, die die elektrischen Impulse des Innenohrs weiterverarbeiten bis zum bewussten Wahrnehmen eines Geräusches oder Klangs.

Bekommt die Hörbahn in den ersten Lebensmonaten und – jahren zu wenige Impulse wird das Hörzentrum im Gehirn zurück entwickelt!

Entscheidend sind dabei die ersten beiden Lebensjahre. Wird ein Kind, das von Hörbeeinträchtigung betroffen ist, in diesen Lebensjahren gut mit Hörhilfen versorgt, kann sich die Hörbahn normal entwickeln.

Zeit spielt daher bei der Versorgung eines Kindes eine entscheidende Rolle!

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass bei auffälligem Verhalten eines Kindes, also z.B. bei verzögerten Reaktionen auf akustische Reize, rasch gehandelt wird. Von größter Bedeutung ist dieses Faktum für den Erwerb von Sprache.

In Deutschland ist aus diesem Grund ein Hörscreening (Otoakustische Untersuchung) verpflichtend bis zum 6. Lebensmonat vorgeschrieben. In Österreich dagegen wird es nur empfohlen und hat keine Auswirkung auf den Erhalt des Kindergeldes.

Ein Zeitfenster für das Erlernen von Sprachlauten

In allen Sprachen der Welt gibt es insgesamt rund 70 Laute (Phoneme). Neugeborene können alle diese Phoneme gleich gut verarbeiten. Zwischen dem 6. und 12. Monat lernen Babies die Laute, die es in ihrer Muttersprache gibt, zu unterscheiden. Im gleichen Zeitraum vergessen sie alle anderen Laute wahrnehmen zu können. Das heißt, Babies speichern nur die Laute ab, die in den Sprachen vorkommen, in denen mit ihnen gesprochen wird.

Im Alter von einem Jahr können beispielsweise amerikanische Kinder rund 44 Laute der Amerikanischen Sprache wahrnehmen. Die restlichen 26, die z.B. in asiatischen Sprachen vorkommen, können sie nicht mehr wahrnehmen und daher auch nicht selbst produzieren.

In Versuchsreihen wurde amerikanischen einjährigen Kindern drei mal pro Woche für etwa 20 Minuten auf chinesisch vorgelesen. Der Effekt war verblüffend. Die Kinder konnten diese Laute ebenso gut unterscheiden, wie die ihrer Muttersprache.

Ein Zeitfenster für den Erwerb eines musikalischen Gehörs

Die Zeit spielt auch bei der Entwicklung eines musikalischen oder absoluten Gehörs eine entscheidende Rolle. Kinder, denen intensive musikalische Hörreize angeboten werden, entwickeln dadurch besondere Fähigkeiten. Geschieht das bis zum 6. Lebensjahr nicht, so sind diese Fähigkeiten auch durch intensives Training kaum erlernbar.