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1 – Weshalb das Hören wichtig ist2018-06-24T21:56:21+00:00

Weshalb unsere Ohren so wichtig sind

Unser leistungsfähigstes Sinnesorgan

  • 10 mal so schnell wie das Auge

Während das Auge nur Blitze im Abstand von etwa 40 – 50 ms von einander trennen kann, kann das Gehör Knackgeräusche im Abstand von 2-3 ms voneinander unterscheiden.

  • 1o mal so großer Frequenzbereich

Eine Oktave ist die Verdopplung einer Frequenz. Wenn man die niedrigste Lichtfrequenz, die das Auge sieht, einmal verdoppelt, erreicht man die höchste Lichtfrequenz, die das Auge verarbeiten kann.  Die niedrigste Frequenz, die das Ohr hört, muss man jedoch 10 mal verdoppeln, um zur höchsten Frequenz die das Ohr wahrnimmt zu gelangen. Das Auge sieht also eine Oktave während das Ohr 10 Oktaven hört.

  • 10 mal so großer Dynamikbereich

Könnten wir gleich gut sehen wie hören so könnten wir in die gleißende Sonne schauen und würden bei Finsternis sehen.

Erstes Sinnesorgan

Das Gehör ist unser erstes, voll ausgeprägte Sinnesorgan. Ein Baby hört bereits ab der 25. Schwangerschaftswoche. Durch die Knochenleitung wirken die Beckenknochen der Mutter für den Embryo wie zwei HIFI Lautsprecher, die vor allen anderen Geräuschen die Stimme und den Herzschlag der Mutter an die Ohren des Babys weiterleiten. Alle anderen Geräusche, die von außen zu ihm dringen sind zwar gedämpft aber trotzdem deutlich hörbar. 

Letztes Sinnesorgan

Zahlreiche Notfallmediziner haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die aus dem Koma erwacht sind, berichten, dass sie alles hören konnten – auch in einer Zeit, in der alle körperlichen Reaktionen ausgesetzt hatten.

Unser wichtigstes Sinnesorgan

Das Gehör ist wahrscheinlich unser wichtigstes und leistungsfähigstes Sinnesorgan.
Es erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen auf hoch komplexe Weise, in unglaublicher Geschwindigkeit und mit faszinierender Präzision.

  • Erkennen von Geräuschen

Zahlreiche Geräusche sind genetisch abgespeichert wie das Zischen einer Schlange oder das Grollen des Donners. Andere müssen erlernt werden wie die Stimme der Mutter oder der Klang eines Instruments. Da sich Klänge und Geräusche aus zahlreichen übereinanderliegenden Schwingungen zusammensetzen, ist diese Aufgabe extrem komplex. Beim Erkennen vieler Instrumente spielt z.B. die Einschwingphase von wenigen Zehntelsekunden eine entscheidende Rolle.

  • Orten von Geräuschen

Woher kommt das Hufgetrampel eines Pferdes oder das Motorengeräusch eines Auto? Nähert oder  entfernt es sich? Diese Information ist für den Menschen lebenswichtig und wird durch hoch komplexe Prozesse in unglaublicher Präzision erfüllt.

Bei der Ortung setzt das Gehör zwei Verfahren ein:
– ob Schall von links oder rechts kommt erkennt das Gehör durch den Lautstärkenunterschied des Schalls an den Ohren bzw. durch den Zeitunterschied zwischen dem Auftreffen des Schalls auf die beiden Ohren. Ein geübtes Ohr kann einen Zeitunterschied von 10 Millionstel Sekunden erkennen und Schall auf 1 Grad genau orten. 

– ob Schall von vorne, hinten, oben oder unten kommt kann nur über abgespeicherte Reflexionsmuster der Ohrmuschel erkannt werden. Mit fremden Ohrmuscheln müsste man wieder neu hören lernen um diese „Medianebene“ zu erkennen.

  • Warnung vor Gefahr

Das Gehör warnt uns ein Leben lang ununterbrochen vor Gefahren. Durch das blitzschnelle Erkennen der Geräusche und die gleichzeitige Ortung werden Reaktionen ausgelöst: beim Zischen einer Schlange ein Fluchtreflex, durch beruhigende Musik Entspannung.

  • Sprache und soziale Integration

Das Hören von Sprache als Basis für die Sprachentwicklung gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Gehörs. Gleichgültig ob wir in der Schule lernen, in der Arbeit eine Tätigkeit verrichten, in der Freizeit Sport betreiben, Feste feiern oder Musik hören: durch alle diese Aktivitäten integrieren wir uns in unsere soziale Umgebung. Ohne unser Gehör sind wir massiv eingeschränkt. Wer schlecht hört läuft Gefahr isoliert zu sein. Oft bedeutet das raschen geistigen und körperlichen Verfall bis hin zur Demenz.

Die Sprachentwicklung

Sprache ist ein symbolisches Kommunikationssystem und repräsentiert die Wirklichkeit. Dadurch entsteht die Möglichkeit, auch außerhalb des Hier und Jetzt über die Welt zu sprechen. Somit ist sie wesentlicher Bestandteil der kognitiven Entwicklung. Denn ohne Sprache kann die Welt nicht erklärt werden. Die Wurzeln der Sprachentwicklung liegen im Erwerb gewisser Vorläuferfertigkeiten, welche sich insbesondere im ersten Lebensjahr entwickeln.

1. Lebensjahr: Entwicklung der Vorläuferfähigkeiten von Sprache

Lösen der Zweieinheit

Wesentlicher erster Schritt auf dem Weg zur Entdeckung der Sprache ist das Lösen der Zweieinheit von Mutter und Kind. Mutter und Kind leben in den ersten drei Monaten nach der Geburt in einer symbiotischen Zweieinheit. Im Alter von ca. drei Monaten beginnen Mütter ihren Kindern eine gewisse kurze Zeitspanne der Trennung (einige Minuten) zuzumuten, in der die Babys sich Angesichts der Abwesenheit der Mutter einem Objekt, meist einem Spielzeug, zuwenden. Dieses Objekt ist der erste Gesprächsinhalt, wesentlich für jede Form der Kommunikation. Denn wir unterhalten uns immer ÜBER etwas. Mütter überbrücken diese kurze Trennung zumeist mit Singen oder Zureden, sodass ihre Kinder sie dennoch hören können und wissen, dass sie nicht allein sind. Bei unerkannt hörgeschädigten Kindern fruchtet diese Form der Distanzüberbrückung bzw. Beruhigung nicht. Dies kann zu Frustration auf beiden Seiten führen.

Entwicklung des triangulären Blickkontakts

Größter Meilenstein und Basis jeglicher Kommunikation und Sprache ist die daraus resultierende Entwicklung des triangulären Blickkontakts. Das Kind entdeckt, dass auch sein Gegenüber zu gewissen Ereignissen eine Meinung/einen Kommentar hat. Um dies zu erkennen, muss das Kind seinen Blick vom betreffenden Gegenstand zum Gegenüber wenden. Klassisches Beispiel: Das Kind wirft den Löffel auf den Boden und lacht. Es lässt den Blick vom Löffel zur Mutter schweifen und beobachtet, was die Mutter dazu sagt. Diese lacht ebenfalls und hebt den Löffel wieder auf. Dieses Spiel wiederholt sich immer und immer wieder. Kindern gelingt der trianguläre Blickkontakt in etwa mit neun Monaten.

Entwicklung der Obkjektpermanenz

Etwa um das erste Lebensjahr beginnen Kinder eine Objektpermanenz zu entwickeln. Das bedeutet, sie erkennen, dass Dinge/Menschen auch existieren, wenn sie diese nicht sehen können. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die ständig voranschreitende motorische Entwicklung. Kinder können Nähe und Distanz nun selbst immer besser regulieren und ihre Welt vergrößert sich. Typisches Beispiel: Das Kind krabbelt aus dem Zimmer, in dem die Mama ist, und schaut immer wieder um die Ecke, ob sie wohl noch da ist. Die Entwicklung der Objektpermanenz ist wesentlich für die Sprache. Nur wenn Kinder erkennen, dass die Welt auch außerhalb ihres Blickfeldes existiert, können sie auch über sie sprechen.

Etwa im 1. Lebensjahr: Entdecken von Sprache

Zeitgleich, in etwa um das erste Jahr, entdecken Kinder die aktive Sprache. Sie sprechen die ersten Wörter. Diese sind zu Anfangs noch schwer verständlich, die Artikulation verbessert sich allerdings zunehmend. Ab diesem Zeitpunkt schreitet die Entwicklung rasant voran. Der Wortschatz wird stetig größer und umfasst um das zweite Lebensjahr ca. 50 Worte. Das Anschauen von Büchern rückt in den Vordergrund und wird nun immer zeitintensiver möglich.

Für Eltern besonders bemerkenswert zu der Zeit ist die Beobachtung, dass das passive Sprachverstehen ihrer Kinder weit ausgeprägter ist, als die aktive Sprache. Dieses Phänomen zieht sich durch den gesamten Verlauf der Sprachentwicklung durch. Sprache wird zuerst passiv und dann aktiv erworben.

Etwa im 2. Lebensjahr: Grammatik nimmt Gestalt an

Um das zweite Lebensjahr nimmt nun auch die Grammatik Gestalt an. Erste einfache Zweiwortsätze (Papa baba) gelingen. Zu Beginn wird das Verb/Zeitwort immer in der Nennform an das Ende des Satzes gestellt. Die Verb-Zweitstellung entwickelt sich um das dritte Lebensjahr. Wesentlicher Meilenstein im Grammatikerwerb ist die Entwicklung des ICH-Begriffs, der um das dritte Lebensjahr stattfindet.

Nächste Lebensjahre: Sprache wird komplex

In den nächsten Jahren vervollständigen Kinder ihre sprachlichen Fertigkeiten. Die Sprache wird deutlicher, die Grammatik komplexer, der Wortschatz größer. Um das vierte Lebensjahr sind die wesentlichen grammatikalischen Strukturen erworben und auch die einzelnen Laute werden richtig artikuliert. Kinder mit einer nicht diagnostizierten oder nicht adäquat versorgten Hörbeeinträchtigung haben häufig Schwierigkeiten bei der korrekten Lautproduktion und auch in der Anwendung der Grammatik, da wesentliche bedeutungstragende Elemente, wie der Artikel oder Vor- und Endsilben, unbetont gesprochen werden und damit leicht überhört werden können. Eine unvollständig erworbene Grammatik führt auch immer zu Einschränkungen im Sprachverstehen.

Parallel zur Sprachentwicklung: die Spielentwicklung

Parallel zu der hier zusammengefassten Sprachentwicklung verläuft die Spielentwicklung. Zu Beginn rein funktionell, im Schütteln einer Rassel oder schieben eines Autos verankert, entwickelt sie sich immer weiter über das symbolische, so-tun-als-ob, Spiel bis hin zum komplexen Rollenspiel, indem sich die Kinder ihre eigene Spiel-Realität schaffen. Für die Sprachentwicklung stellt das Spiel eine wesentliche Basis dar. Im gemeinsamen Spiel bieten sich viele Möglichkeiten für sprachliches Angebot. Zusammenhänge und Abläufe werden verdeutlicht und das Kind hat die Chance, Erlebtes zu verarbeiten, verschiedene Perspektiven einzunehmen und die Welt sowie auch die Menschen zu begreifen.

Weiterführende Literatur

  • Homepage des Berufsverbandes der LogopädInnen – Therapeutensuche: logopaedieaustria.at
  • Ausführliche Beschreibung der Sprachentwicklung: http://www.kindersprache.org/
  • Barbara Zollinger – Die Entdeckung der Sprache – eine Informationsbroschüre: file:///C:/Users/tschr/Google%20Drive/Searches/Downloads/zollinger(1).pdf
  • Gisela Batliner – Hörgeschädigte Kinder spielerisch fördern – eine Informationsbroschüre: file:///C:/Users/tschr/Google%20Drive/Searches/Downloads/3497603546_lp.pdf
  • Rothweiler, Monika et al: Sprachentwicklung bei schwerhörigen Kindern, HörPäd 01/2016
  • Hintermaier, Manfred; Sarimski, Klaus; Lang, Markus; Romstedt, Henrike: Sozial-emotionale Kompetenzen hörgeschädigter Kinder im frühen Kindesalter, HörPäd 01/2016